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Aydın - das Oberzentrum am Großen Mäander

  • Geschrieben von Website Editor
Aydın - das Oberzentrum

Aydın, eine große, wirtschaftlich bedeutende Stadt, etwa 65 Kilometer vom Meer entfernt und von den Bergen des Samsun Massivs oder des Aydin-Gebirges umfasst, ist mit rund 190.000 Einwohnern die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Aydın an der Ägäis-Küste.

Im Norden erheben sich die Gipfel des Gebirges bis zu 1800 Metern Höhe. Aydın liegt im Tal des Großen Mäander (türk. Büyük Menderes), südlich der Stadt mündet das etwa 5 km breite Seitental des Çine Çayı, wodurch auch eine Bahnlinie nach Muğla verläuft.

Unsere häufigen Besuche in Izmir ließen uns oftmals die Stadt passieren, um dann auf der mautpflichtigen Autobahn Richtung Izmir weiter zu fahren. Kurz nach Verlassen der Stadt durchquert ein modern ausgebauter Tunnel das Aydın-Gebirge. Flussaufwärts führt die gut ausgebaute 4-spurige Straße weiter über Denizli nach Antalya an der türkischen Riviera.

Wie in vielen Städten entlang der Küsten weißt auch Aydin eine reiche kulturelle Vergangenheit auf, so sind am nördlichen Stadtrand von Aydın die Ruinen der antiken Stadt Tralleis zu besichtigen. Das lokale Museum zeigt eine breite Palette der historischen und antiken Funde unterschiedlichster Epochen. In der Umgebung deuten auch eine Vielzahl von Ruinen auf die sehr bewegte Vergangenheit hin. Nach Strabo wurde Tralles von Thrakern gegründet, doch fiel die Stadt an das Achämenidenreich, nachdem die Griechenstädte vergeblich rebelliert hatten. Sparta versuchte ohne Erfolg, die Stadt zu erobern, die sich 334 allerdings Alexander dem Großen unterwarf. Alexanders Feldherr Antigonos I. Monophthalmos hielt die Stadt von 313 bis 301 v. Chr.

Bis 190 unterstand sie den Seleukiden, dann ging sie an Pergamon. Von 133 bis 129 unterstützte sie Aristonikos gegen Rom.129 v. Chr. fiel die Stadt mit dem gesamten Westen Kleinasiens endgültig an Rom. Tralles wurde 27 v. Chr. von einem Erdbeben schwer getroffen. Augustus unterstützte die Stadt beim Wiederaufbau, woraufhin die örtlichen Notabeln die Stadt in Kaisareia umbenannten, ein Name, den die Stadt einige Zeit lang trug. Die Stadt war in der Antike vor allem für ihre Töpferei bekannt.

Die Briefe des Ignatius belegen eine christliche Gemeinde für das 1. Jahrhundert. Spätestens um 105 war ein mit Polybios namentlich erwähnter Kirchenfürst Bischof von Tralles (IgnTrall 3,3), die Region wurde im Laufe des 3. und frühen 4. Jahrhunderts endgültig christianisiert. Eine Inschrift belegt sogar eine Synagoge.

Nach der Schlacht bei Manzikert eroberten die Seldschuken nach 1071 erstmals Tralles, doch gelang den Byzantinern unter Kaiser Alexios I. Komnenos die Rückeroberung. Doch der Niedergang war nicht aufzuhalten, als Byzanz nach 1265 weite Gebiete im östlichen Grenzraum verlor, insbesondere den Oberlauf des Maiandros und damit den ökonomisch zentralen Teil des fruchtbaren Tales. 1278 ließ Kaiser Andronikos II. Palaiologos die Stadt wieder aufbauen und sie sollte den Namen Andronikopolis oder Palaiologopolis erhalten. Der megas domestikos Michael Tarchaneiotes soll dort 36.000 Bewohner der umgebenden Gebiete angesiedelt haben.

Doch bereits 1284 gelang es dem Beylik von Mentesche die Stadt zu erobern. Über 20.000 Bewohner wurden als Sklaven verkauft. Die Türken benannten die Stadt in Güzelhisar (‚schöne Burg‘) um. Das Beylik von Aydın, das 1308 entstand, beherrschte die Westtürkei bis Izmir. Vielfach wird es als Emirat bezeichnet.

Diesen „Emiren“ folgten die Osmanen. Sie unterwarfen in einer groß angelegten Kampagne 1390 die Emirate der Westküste Kleinasiens. Doch unterlagen sie 1402 gegen Timur in der Schlacht bei Ankara. Der Sieger zog im Herbst nach Ephesos, um im Dezember Smyrna zu zerstören. Danach kehrte seine riesige Armee nach Ephesos zurück, von wo aus sie die umgebenden Gebiete plünderte. Erst im Frühjahr 1403 verließ sie das Gebiet wieder. Nach zehnjährigem Bürgerkrieg stabilisierte sich das Osmanenreich wieder. 1425 eroberten die Osmanen schließlich die Reste des Emirats und die Stadt Aydın.

Aydın wurde Teil des Osmanenreichs, jedoch nach und nach von Izmir in den Schatten gestellt. 1827 wurde es Hauptstadt eines eigenen Eyâlets. Es kam zu Unruhen, wie etwa unter Atçalı Kel Mehmet (1829–1830), so dass der Hauptsitz des Eyâlets nach Izmir verlegt wurde. 1864 wurde Aydın ein Sandschak, eine Art Unterprovinz, die Provinzhauptstadt blieb Izmir. 1912 lebten im Sandschak Aydın etwa 220.000 Menschen, von denen 40.000-55.000 Griechen waren. Die erste Eisenbahnlinie wurde 1856 durch die britische Levant Company zwischen Aydın und Smyrna (heute Izmir) begonnen.

Während der Schlacht um Aydın zwischen dem 27. Juni und dem 4. Juli 1919 wurden die 3.500 Angehörigen (1917) der jüdischen Gemeinde verschont. In den Bergen hielten sich türkische Widerstandsgruppen auf. Erst am 7. September 1922 eroberte die türkische Armee die stark zerstörte Stadt zurück. 1923 wurden die Griechen gezwungen, das Land zu verlassen, ähnlich wie die Türken in Griechenland. Die griechische Armee ließ vor ihrem Abzug ein Feuer legen. Dabei blieben von 8.000 Häusern nur drei unversehrt.

Bis in die frühen 1920er Jahre lebten etwa 3.000 Juden in Aydın. Sie mussten während der Vertreibung der Griechen fliehen und durften danach nicht zurückkehren. Ihr Eigentum wurde als „aufgegebenes Gut“ konfisziert.

Aydın heute bietet den Touristen einige mineralische Quellen mit gesundheitlich positiven Effekten, ist bekannt für den besonderen Geschmack seiner Feigen und offeriert eine eigenständige Folklore mit Tänzen und Legenden verknüpft, wobei „Zeybek“ wohl der bekannteste Volkstanz ist. Einer der Darsteller im Zeybektanz ist Efe, der Mann des Mutes. Die Stadt verfügt heute über architektonisch interessante Einkaufszentren und kann auf eine Vielzahl antiker Stätten in der Umgebung verweisen.

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