Lebedos – heiße Quellen und Dionysosfest in der Antike

Lebedos – heiße Quellen und Dionysosfest in der Antike

Nur etwa 28 Kilometer sind es von Teos bis zur antiken griechischen Stadt Lebedos immer der Küste folgend in Richtung Kusadasi.

Kurz vor den Toren der modernen Stadt Gümüsü liegen die Ruinen der Stadt Lebedos heute einige hundert Meter vom Meer entfernt.

In der Antike war Lebedos auf einer Halbinsel gelegen und gehörte zu den zwölf ionischen Städten.

Griechische Siedler gründeten die Stadt im 7. Jahrhundert vor Christus und schnell wurde die Stadt aufgrund ihrer heißen Quellen als Kurort bekannt. Mit dem Bau des Apollon Tempels und des jährlich wiederkehrenden Festes zur Verehrung des Gottes Dionysos waren weitere Anziehungsschwerpunkte gesetzt. 

Eine Geschichte besser ein Mythos machte in der Antike die Runde, die erheblich zum Bekanntwerden der Ortschaft Lebedos beigetragen hat, als Fischer einen wertvollen Dreifuß aus dem Meer mitbrachten, der von Hephaistos angefertigt worden war. Die Fischer gerieten über die Eigentumsverhältnisse in Streit und befragten daraufhin das Orakel. Als Antwort erhielten sie, das der Dreifuß dem größten Weisen der Region gehören solle. So brachte man den Dreifuß zu Thales von Milet. Geboren um 624 vor Christus in Milet war Thales ein griechischer Naturphilosoph, ein Staatsmann, Mathematiker, Astronom und Ingenieur. Kurzum die Autorität, die dem Orakelentsprach.

 Aristoteles schrieb einst folgende Bemerkung über Thales:

aristoteles 3„Man hielt ihm seine Armut vor, vermutlich um zu beweisen, dass man mit der Philosophie nicht sehr weit komme. Wie der Erzähler fortfährt, wusste Thales aus seiner Kenntnis der Sternenwelt, obwohl es noch Winter war, dass im kommenden Jahr eine reiche Olivenernte zu erwarten sei; da er ein wenig Geld besaß, mietete er alle Olivenpressen in Chios und Milet; er bekam sie preiswert, da niemand ihn überbot. Als plötzlich zur Erntezeit alle Pressen gleichzeitig benötigt wurden, lieh er sie zu jedem in seinem Belieben stehenden Betrag aus und verdiente eine Menge Geld daran. So bewies er der Welt, dass auch Philosophen leicht reich werden können, wenn sie nur wollen, dass das aber nicht ihr Ehrgeiz ist.“

Thales war einer der wichtigen Begründer der Philosophie und der Wissenschaft überhaupt. Jeder erinnert sich an seine Schulzeit und den „Satz des Thales“, das ein Dreieck, von dem eine Seite ein Durchmesser des Umkreises ist, ein rechtwinkliges Dreieck ist. Auch das Einmessen der Höhe der Pyramiden führte zu einer immer noch geltenden mathematischen Gesetzmäßigkeit: Thales nahm einen Stab und wartete den Zeitpunkt ab, bis dessen Schatten die gleiche Länge hatte wie der Stab. Bei diem gleichen Sonnenstand bestimmte er nun die Länge des Schattens der Pyramide, den er nun nur noch nachzumessen brauchte und erhielt so die Höhe der Pyramide. Bis heute gilt dieser Strahlensatz. 

Thales verstarb um 546 vor Christus.

vatican aristoteles thalesAntigonos I Monophthalmos wollte im Jahr 304 vor Christus die Stadt Lebedos mit Teos verschmelzen und deren Bürger in einen neu geschaffenen Ort umsiedeln. Dieses mit Synoikismos bezeichnete Zusammenlegungsverfahren von mehreren Dörfern zu einer Stadt wurde in der Geschichte häufig versucht, zu diesem Zeitpunkt von Lebedos aus aber nur mit mäßigem Erfolg. Etwa 50 Jahre später versuchte Lysimachos ein vergleichbares Unterfangen, um die umbenannte Stadt Ephesos zu bevölkern. Er wollte gar die Bürger von Lebedos, Teos und Kolophon zur Umsiedlung in das einst mit Arsinoeia benannte Ephesos erzwingen. 

Um 266 vor Christus gründete Ptolemaios Lebedos neu, nutzte allerdings zunächst den Namen Ptolemais. Aus den Berichten von Strabon erfahren wir, das auch die dionysische Künstlergilde der Techniten in Lebedos ihren Stammsitz hatten nachdem sie aufgrund ihres lockeren Lebenswandels aus Teos vertrieben worden waren. 

Auch unter den Römern blieb Lebedos als Stadt erhalten, prägte gar eine eigene Münze und wurde in derSpätantike Sitz eines Bischofs worauf bis heute das Titularbistum Lebedos der römisch-katholischen Kirche zurück geht.

Außer wenigen Resten der alten Stadtmauern und der Akropolis, die etwa einen halben Kilometer landeinwärts auf einem Hügel liegt, ist von Lebedos wenig erhalten geblieben.

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