Oricum – antike Ruinen bei Vlora

Oricum – antike Ruinen bei Vlora
Oricum – antike Ruinen bei Vlora

Südlich der modernen, albanischen Hafenstadt Vlora lag einst eine expandierende, antike Stadt Namens Oricum, die als Hafen für ganz Illyrien von großer Bedeutung war. Als Ausflugstipp in der Region Vlora durchaus zu empfehlen, wenn man sich für griechisch-römisches Kulturgut interessiert.

Oricum war einst die größte Stadt in der Region, lediglich 42 Kilometer von Apollonia entfernt und besaß damit eine direkte Anbindung an das spätere, römische Straßensystem, hier vor allem der Via Egnatia.

Gründung und Archäologische Funde in Oricum

orikos antike stadt 03Einige historische Quellen verweisen auf eine mythische Gründung der Stadt Oricum durch griechische Siedler, die bereits im 8. Jahrhundert vor. Christus stattgefunden haben soll. Andere Grabungsergebnisse deuten sogar auf eine andere, frühere Gründung durch Euböer hin, die bereits ab dem 10. Jahrhundert vor Christus eine führende Rolle im Seehandel und bei der griechischen Kolonisation im Mittelmeer übernommen hatten. Protokorinthische Scherben, die bislang als die ältesten Funde in Oricum gelten, stammen allerdings aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Zahlreiche Funde verweisen auch auf eine Verbindung mit Korfu. Die Euböer waren die antiken Bewohner der griechischen Insel Euböa, insbesondere der mächtigen antiken Poleis Chalkis und Eretria.

Erste Bauten in Oricum wurde auf einem 20 Meter hohen Hügel errichtet, der auf einer schmalen Landzunge zwischen Meer und Lagune liegt. Auch die Lagune hinter der Stadt wurde als Hafen genutzt. Am höchsten Punkt der Stadt befand sich eine Festung, besser Akropolis; die eine Fläche von fünf Hektar umfasste. Es sind unter anderem Reste der Stadtbefestigung und Wohnhäusern erhalten, zudem gibt es zahlreiche Treppen, die den Siedlungshügel von mehreren Seiten erschließen.

Die Lage des antiken Oricum wurde schon im 19. Jahrhundert von verschiedenen Forschungsreisenden aus Westeuropa identifiziert. 1926 besuchte der italienische Archäologe Luigi Ugolini, der in Butrint und Phoinike Ausgrabungen leitete, den Ort. 1958 wurde das Theater aus dem 1. Jahrhundert entdeckt, das seit Grabungen im Jahr 2013 als Wassersammelanlage aus dem 2. Jahrhundert v. Chr. verstanden wird. Weiter westlich, an den Hängen der Halbinsel Karaburun, wurde eine Nekropole entdeckt.

Fotos 1 und Foto 2 von ElisabetaGramatiko - Eigene Werke, CC BY-SA 4.0,

Die Ausgrabungsstätten sind aktuell für Besucher nicht immer problemlos zugänglich, da sie sich auf dem Gebiet der Militärbasis Pashaliman befinden.

Ein monumentaler Brunnen (Nymphäum) – den man früher für ein Theater hielt – diente zugleich als Zisterne mit einem Durchmesser von 10 Metern. Da es in der Nähe keine Quellen mit Trinkwasser gab, war die Stadt darauf angewiesen, Regenwasser zu sammeln.

oricum monumental fontana 01Unterhalb davon befindet sich ein bislang noch nicht ausgegrabener Tempel, und in einiger Entfernung liegt ein Altar, der dem Dionysos geweiht ist. Ein großer Teil der Stadt liegt heute unter Wasser; bei einem Hubschrauberflug lassen sich die Umrisse von Gebäuden unter der Wasseroberfläche erkennen, ein Hinweis darauf, dass die Küste im Bereich des Hafens von Orikum allmählich im Meer versunken ist.

Rund um die Stadt wurden Mauerreste entdeckt; es gibt Belege dafür, dass diese in byzantinischer Zeit instand gesetzt wurden.

Was das höchste Amt in Orikum betrifft, so gehen lokale Archäologen davon aus, dass es sich entweder um den Prytanen oder den Strategen handelte. Der Prytan ist eine Institution epirotischen Ursprungs, während der Titel „Stratege“ auf den Einfluss des nahegelegenen Korfu hindeutet.

Foto 3 von Pasztilla aka Attila Terbócs - Own work

Oricum war wiederholt bedeutender Kriegsschauplatz

Während des ersten römisch-makedonischen Krieges eroberte Philipp V. 214 v. Chr. die Stadt. Im römischen Bürgerkrieg zwischen Caesar und Pompeius besetzte Caesar die Stadt im Jahr 48 vor Christus. Zerstörungen während dieses und folgender Kriege dürften einen allmählichen Niedergang der Stadt Oricum herbeigeführt haben. Wegen seines geschützten Hafens am Südende der tiefen Bucht von Vlora war der Ort von der Antike bis in die Neuzeit immer militärisch begehrt.

In byzantinischer Zeit befand sich nahe der antiken Stadt ein kleiner Hafen, der Ericho genannt wurde In osmanischer Zeit bekam der Hafen den Namen Paşaliman (Hafen des Paschas). In der Nähe der Stadt befindet sich die Kirche von Marmiroi. Sie stammt aus der Regierungszeit des byzantinischen Kaisers Theodor I. Die Kirche verfügt über einen kleinen, 6 mal 9 Meter großen Hauptraum sowie eine Kuppel mit einem Durchmesser von etwa 3 Metern, die auf vier römischen Bögen ruht. An den Innenwänden finden sich Fragmente typischer byzantinischer Wandmalereien.

Bitte lesen Sie auch:

Durrës – Demokratisierung lädt auch Touristen ein

Bochum - Förderturm und Bergbaumuseum