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Ellwangen - Erste Siedlung und Klostergründung

  • Geschrieben von Sam Rohlfs
Ellwangen an der Jagst

Wir fahren von Augsburg kommend in Richtung Kitzingen und hatten uns telefonisch mit unserem Freund Norbert verabredet, der vor etwa 2 Jahren von Alanya zurück nach Deutschland übergesiedelt war.

Heute lebt er mit seinem Bruder Lothar und dessen Frau, die wir auch während ihrer Besuche in Alanya kennen gelernt hatten, in Ellwangen, einem geschichtsträchtigen Ort mit weit zurück reichender Vergangenheit. Die Freude des Wiedersehens war wohl für beide Seiten gleich groß und bei Kaffee  und Erdbeerkuchen war schnell das Gespräch bei der Aufarbeitung gemeinsamer Erlebnisse in der Türkei angelangt.

Im weiteren Verlauf des Gesprächs waren wir allerdings auch bei unseren momentanen Aktivitäten angelangt und erste Erläuterungen zu Ellwangen wurden in das Gespräch eingebunden. Per Internetrecherche hatten wir vom Alamannen Museum in Ellwangen gelesen und erste Kontakte zur Museumsleitung bereits geknüpft. Da aufgrund von Einsparungsmaßnahmen das Museum erst am Wochenende wieder geöffnet wurde, hatten wir uns mit dem Museumsleiter, Herrn Andreas Gut, für den kommenden Samstag verabredet. Zeit genug, etwas vorbereitende Recherche zu Ellwangen zu betreiben.

Zu Zeiten der Kelten und Römer war die Region um das heutige Ellwangen nur dünn besiedelt, jedenfalls gibt es bis heute kaum Spuren menschlicher Ansiedlungen im Gebiet aus dieser Zeit. Erst mit dem Bau der römischen Grenzverteidigungslinie „Limes“, der nur wenige Kilometer südlich vom Stadtkern Ellwangens verläuft, wurden auch erste Siedler angelockt. Im zweiten Jahrhundert nach Christus war der Limes zunächst als Palisadenzaun zur Absicherung der Nordgrenze des Römischen Reiches errichtet worden. Nach und nach wurden die Palisaden durch Steinmauern bei gleichzeitiger Errichtung fester Kastelle  ersetzt. Der Limesverlauf ging durch den Ortsteil Pfahlheim, dessen Namen wahrscheinlich auch auf den Limes zurückgeht. Nur wenige Kilometer entfernt fand man bei Halheim auch Überreste eines römischen Kastells. 

Erst aus dem fünften Jahrhundert sind bis heute weitere Spuren menschlicher Besiedlung gefunden worden, die auf die Gründung von Ansiedlungen hinweisen und bei Pfahlheim wohl zu einem ersten Alamannen „Dorf“ geführt hatten, was sich durch die  aufgefundenen Gräberfelder  belegen lässt. Im siebten Jahrhundert zog es dann weitere Gruppen in das Tal der Jagst und eine weitere Alamannen Siedlung entstand am abschüssigen Wiesenhang, die mit „Siedlung beim Weideland des Alaho“ betitelt wurde. Heute ist das der Bereich der Priestergasse am Hang zum Stelzenbach hin.

Im Jahr 764 gründeten die Brüder Hariolf und Erlolf, der Bischof in der französischen Stadt Langres war, ein Benediktinerkloster im Grenzwald Virgunna zwischen Franken und Schwaben direkt neben der Alamannen Siedlung. Die Brüder hatten bereits einige Klöster im bayrisch-alamannisch-fränkischen Raum gegründet, da sie aus einer angesehenen Adelsfamilie stammten und mit dem nötigem Geld versehen waren, gründeten sie Kloster unter anderem in Murrhardt, Neumünster und Schäftlarn. Spätere finanzielle Probleme in der Familie ließen den Brüdern allerdings keine andere Wahl, als das Kloster Ellwangen auf den fränkischen König Karl den Großen zu übertragen, womit Ellwangen zum Königskloster wurde.

In einer Urkunde Kaiser Ludwigs des Frommen wird das Kloster Ellwangen mit Datum vom 8. April 814 erstmals erwähnt. Bereits drei Jahre später gehört es zu den Reichsabteien womit das Wachstum des Klosters schnell voran schritt und bereits im 9. Jahrhundert mehr als einhundert Mönche beherbergte. Durch königliche Schenkungen und Rodungssiedlungen konnte der Besitz des Klosters stetig erweitert werden, auch wenn zu Beginn der Gründungsphase die Stiftungen urbaren Landes immer noch überwiegend dem Kloster in Fulda zukamen.

Der byzantinische Grieche Method von Saloniki, der als Slawenapostel bekannt wurde, soll aufgrund einer Verschwörung bayrischer Bischöfe zwischen 870 und 873 für etwa 2, 5 Jahre im Gefängnis des Klosters eingekerkert gewesen sein. Erst aufgrund einer Intervention von Papst Johannes VIII wurde Method 873 aus der Haft entlassen.

Aus dem Jahr 981 ist bekannt, das auch das Reichskloster Ellwangen dem deutschen König 30 Panzerreiter für seine Feldzüge nach Italien kostenfrei zur Verfügung stellen musste. ZU Beginn des 12. Jahrhunderts hatten sich Abt Helmerich und der Ellwanger Konvent aufgrund der Öffnung des Klosters für die Hirsauer Reformbewegung stark zerstritten, da Abt Helmerich den Laien erlaubt hatte an der südlichen Klostermauer zu siedeln. Der Ellwanger Konvent glaubte, das durch die Ansiedlung der klösterliche Friede gestört sei. Trotz der Amtsaufgabe Abt Helmerichs verblieben die bereits angesiedelten Laien allerdings  im Klosterbereich.

Aus diesen ersten Ansiedlungen der zum Wohnbereich des Klosters gehörenden Laien entwickelte sich die Stadt Ellwangen im Verlauf des 12. Und 13. Jahrhunderts, wobei Oberhoheit des Abts erhalten blieb. Der Abt, der als Vorsteher des exemten Klosters direkt dem Papst unterstand, vergab gegen eine Gebühr die städtischen Ämter für jeweils ein Jahr. Ämter der damaligen Zeit waren die des Stadtschultheißen sowie die der Mitglieder des Gerichts, woraus sich auch der Rat der Stadt begründete.

Ab dem Jahr 1524 verbreitete der Stiftsprediger Johann Kreß erste Ideen der Reformation in Ellwangen, in dem er 14 Artikel mit reformatorischen Forderungen an der Stiftskirche anschlug. Kreß wurde daraufhin von einem Augsburger Bischof mit dem Kirchenbann belegt, woraufhin sich die Bewohner der Stadt hinter ihn stellten. Die Chorherren wurden gar mit dem Tod bedroht und viele von ihnen verließen die Stadt. Nur ein Jahr später erklärte Mumpach die Aufhebung der Leibeigenschaft und die Klöster sollten umgewandelt oder zerstört werden. Mumpach war vor allem Sprecher der Bauern, die schließlich vereinigt, sich Einlass in die Stadt und in das Schloss erzwangen. Am 26. April 1525 mussten die Bürger 12 der Artikel annehmen. Im weiteren Verlauf zogen etwa 2.000 Bauern plündernd durch die Region, wobei das Kloster Mönchsroth ausgeraubt und die Stadt Dinkelsbühl unterworfen wurde. Auch in Ellwangen kam es zu Plünderungen so das sich erster Widerstand gegen die Bauern richtete und man sie schließlich aus der Stadt vertrieb. Die Bauern, die auch mit „Ellwanger Haufen“ betitelt wurden, konnten am 17. Mai 1525 durch die Truppen des Schwäbischen Bundes endgültig besiegt werden, woraufhin Mumpach und Kreß gefangen genommen, verurteilt und am 7. November 1525 in Lauingen enthauptet wurden.

Während der Jahre 1588 und von 1611 bis 1618 wurden etwa 450 Männer und Frauen aus Ellwangen und Umgebung der Hexerei bezichtigt und nach den Hexenprozessen meist auf Scheiterhaufen verbrannt. Neben dem Hochstift Bamberg wurde die sogenannte Hexenverfolgung in Ellwangen am intensivsten betrieben.

Während des 30 jährigen Krieges kam es zu großen Seuchenausbrüchen mit einer Vielzahl von Toten in der Stadt. Ellwangen unterstützte die katholische Liga mit hohen finanziellem Aufwand. Am 22. Mai 1632 wurde die Stadt Ellwangen von schwedischen Truppen unter König Gustav Adolf besetzt. Der schwedische König machte dann die Stadt Ellwangen zum Geschenk für seinen Generalstatthalter Graf Kraft von Hohenlohe-Neuenstein. Mit der Ausweisung von Priestern und Stiftsherren und dem Verbot der Durchführung des katholischen Gottesdienstes versuchte Graf Kraft die Reformation in Ellwangen durchzusetzen. Nach der Entscheidungsschlacht bei Nördlingen, am 9. September 1634, verließ Graf Kraft von Hohenlohe-Neuenstein auch Stadt und Region.

Soweit der kurze Ausflug in die jüngere Geschichte der Stadt Ellwangen, die durch weitere Erzählungen über die römische Zeit und den Verlauf der Limes Linie in der Nähe Ellwangens von unseren Gastgebern noch weitere interessante Informationen beinhaltete, über die wir zu einem späteren Zeitpunkt berichten werden. Wir verabschiedeten uns mit der gleichzeitigen Verabredung für ein weiteres Treffen am Samstag, nach dem Besuch des Alamannen Museums.

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