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Musikfest „Uluslararası Dostluk Konseri“ in Antalya

  • Geschrieben von Portal Editor
Uluslararası Dostluk Konseri

Einmal mehr war es das Internet, das uns mit Murat Ömür Tuncer in Verbindung brachte, einem Pianisten der klassischen Musik aus Antalya.

Seit geraumer Zeit hatte er Kontakte zu Musikern aus verschiedenen Genres gesucht, denen es erst in zweiter Linie um die Gage und den Stellenwert des Events und dessen Umsetzung ging. Mit anderen Worten, Musiker, die aus Spaß an der Musik bei einem Festival der besonderen Art dabei sein wollten. Zum zweiten Mal sollte ein Event kreiert werden, dass mit möglichst kleinem Budget eine große Zahl von Bürgern Antalyas anspricht. Und damit waren wir im Rahmen unseres Projekts "Verständigungs- und Kulturreise entlang römischer Straßen" auch ganz auf seiner Linie. Folglich gab es im Vorfeld einige Kontakte zwischen uns, die auch den Ideenaustausch untereinander beflügeln sollten. Kurz, warum nicht zumindest in Teilbereichen ein Miteinander anstreben.

Aus diesen Grundgedanken heraus war letztendlich das Konzept der Einbindung unseres Tour -Wohnwagens in das Programmkonzept der Musik, die von Interpreten verschiedener Richtungen und aus verschiedenen Ländern stammen sollten. Unterstützend bereiteten wir eine Ausstellung unserer während der Touren gemachten Fotografien vor, die an den beiden Festtagen, thematisch eingebunden, präsentiert werden sollten. Da auch die vorgesehene antike Umgebung von Phaselis als Veranstaltungsort ihren Beitrag zum Gelingen des Gesamtkonzepts beisteuern würde, waren wir gespannt auf die Umsetzungen. Es war daher ein wirklicher Schlag ins Kontor, als in der Woche vor der Veranstaltung die Museumsleitung in Antalya den Veranstaltungsort absagte, aus welchen Gründen auch immer. Dank der Flexibilität der zuständigen Behörden des Antalya-Stadtteils Muratpasa konnte rechtzeitig genug zwar eine Ersatzfläche gefunden werden, aber der antike Hintergrund, die ehemalige lykische Stadt Phaselis, die ja nun gerade zur Sensibilisierung der Bevölkerung für antikes Kulturgut mit eingebunden werden sollte, fehlte natürlich komplett. Vielleicht klappt es ja beim nächsten Anlauf.

Wir konnten uns im Vorfeld die Fläche, die vor Ort mit Falez-2 Park bezeichnet wird, ansehen. Eine riesige, langgestreckte Rasenfläche an der Steilküste von Antalya Richtung Lara. Auch wunderschön gelegen und gut geeignet, allerdings ohne den spektakulären Ruinenhintergrund. Und wie fast überall in Antalya herrschte zum Zeitpunkt der Besichtigung rege Betriebsamkeit, die es zu beachten galt, da der Wohnwagen allein aufgrund seiner Breite und den Fahrprinzipien türkischer Autofahrer ein Widerspruch in sich war. Wo Platz auf der Straße ist, fährt man halt hin, auch wenn sich drei Fahrzeuge auf zweispuriger Fahrbahn nebeneinander befinden. Das ein Fahrzeug mit Wohnanhänger auch Fläche zum Rangieren braucht, vor allem in Kurven, wo das Heck doch ausschwenkt, war für manchen Autofahrer völlig neu. Wohnanhängerbetrieb ist in der Türkei noch unbekannt.

Am Samstagmittag war es dann soweit. Von Manavgat aus fuhren wir nach Antalya hinein, suchten dann in der Zielstraße die erste Parkmöglichkeit für das Gespann auf, um zunächst zu Fuß die weitere Vorgehensweise zu erkunden. Erst jetzt stellten wir fest, das auch ein Kinderfest mit Flugdrachen im Falez-2 Park stattfand, womit fast alle Parkmöglichkeiten komplett belegt waren. Schade für die Kinder aber gut für uns in dieser Situation war der starke Wind, der es fast unmöglich machte, die Drachen aufsteigen zu lassen. So wurden nach und nach auch die Parkplätze am Festivalgelände frei um den Wohnwagen zu platzieren. Dem deutschen Leser mag an dieser Stelle gesagt sein, das türkische und deutsche Planung und Vorbereitung sich gravierend unterscheiden. Immer wieder verwundert es selbst erfahrene Menschen, das vorgesehenen Veranstaltungen trotzdem alles rechtzeitig klappt, auch ohne deutsche Hektik. So hatten auch wir ohne große Absperrmaßnahmen rechtzeitig zu Beginn der Veranstaltung unseren Standplatz samt Aufbau der auszustellenden Fotografien erreicht, Tisch und Stühle waren aufgestellt und wir hatten uns mit unserer Bilderausstellung eingerichtet. Die Konzerte konnten beginnen.

Fast vergessen hätten wir das Treffen mit einem Kameramann samt Team von ATV Europe am frühen Nachmittag, das noch einige Aufnahmen unseres Tourkonzepts machen wollte. Auf unseren Hinweis zum anstehenden Musikfestival hin kam das Team dann mit uns zum Veranstaltungsort und konnte somit an teilweisen wirklich interessanten Darbietungen der Künstler teilhaben, einige Shots drehen und nutzte auch die Möglichkeit zu einem Interview nach den Auftritten der jeweiligen Künstler.

Mittlerweile hatten sich einige hundert Zuschauer überwiegend jugendlichen Alters auf der Rasenfläche versammelt, ältere Zuschauer brachten Klappstühle, Decken und diverse Picknickutensilien mit. Eine wirklich lockere und entspannte Atmosphäre, fast wie zu Zeiten der beginnenden Hippiekultur Ende der 60er Jahre. Eine Rhythmus Gruppe hatte ihre Reifen mitgebracht und unter den Besuchern verteilt, die sich schwingend bemühten, die Reifen über den Hüften tanzen zu lassen. Mit dem Eintreffen einer großen Gruppe von Mountainbikern, die mit einigem Getöse in das Parkgelände einfuhr und für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgte, konnte das Konzert beginnen.

Ohne viele Worte zu verlieren, eröffnete Murat Ömür Tuncer den musikalischen Teil des Events mit der Vorstellung und Einführung der Sängerin Merve Akyıldız & Band. Merve Akyıldız, die am 25. Feb 1994 geboren und damit noch als wirklich junge Künstlerin gesehen werden muss, lebt in Izmir im Stadtteil Bornova. Ihr Großvater und Ihre Großmutter stammen aus Mazedonien und haben das Gefühl von Immigranten nie wirklich verloren. Vielleicht ist es dieser Hintergrund, der die Lieder von Merve Akyıldız so prägend und tiefgehend wirken lässt, ganz abgesehen von ihrer wirklich tollen Stimme. Neben Liedern von Goran Bregovic, uns gefiel besonders das Lied Ederlezi, war der Folksong Jarnana Jarnana wohl als das Highlight ihres Auftritts zu bezeichnen. Ein wirklich gelungener Auftakt, der noch Großes erwarten ließ.

Sehr professionell war dann der Auftritt von Yudum Cetiner und Selin Sekeranber, die unter dem Namen Duo Blanc et Noir auftreten und gemeinsam das Piano für 4-Hände-Darbietungen nutzen. Sie kommen aus Stuttgart, konnten bereits 2010 am internationalen Musik Festival in Luzern so erfolgreich teilnehmen, das sie im Folgejahr erneut eingeladen wurden. Als nächste Einladung folgte Italien zur Veranstaltung "Ibla Grand Prize World Music Competition", wenig später erhielten sie den Judge Special Award. An einer Ausscheidung im Jahr 2012 nahmen sie so erfolgreich teil, das sie an die staatlichen Musik Akademie nach Stuttgart eingeladen wurden, um weiteren Unterricht in Klassen für Duo-Pianisten unter der Anleitung von Prof. Hans Peter zu erhalten. In 2013 nahmen sie in Stuttgart am Festival "Typisch Türkisch" teil und wenig später folgte ein Konzert im Stuttgarter Landesmuseum. Als dann auch noch die Einladung zum Internationalen Belford Musik Festival nach Frankreich erfolgte, war der Durchbruch geschafft. Das dankbare Publikum in Antalya wusste die Präsentation der beiden Künstlerinnen entsprechend zu schätzen, lang anhaltender Applaus folgte den Darbietungen.

Auch der Auftritt der Gruppe Acaipademler war allein schon aufgrund der Darbietungen des Sängers Teoman Kumbaracıbaşı, der auch Schauspieler und Solist ist, ein weiteres Highlight der Veranstaltung. Die Gruppe versucht sich an Liedern, die ursprünglich einmal Gedichte gewesen sind. Sie bevorzugen dabei Verse von Puşkin, J. Prevert, Zahrad ve Pir Sultan Abdal, Georg Trakl, Ingeborg Bachmann, Paul Celan, Antonio Machado, Percy Shelley oder Baudelaire um damit ihre Zuhörer auch auf die Original Poeten aufmerksam zu machen. Da Teoman auch Schauspieler ist, unter anderem spielte er den spanischen Charakter im Film Eyvah Eyvah, werden auch die Lieder entsprechend gekonnt präsentiert. Auch sprachlich scheint Teoman ein wirkliches Talent zu sein, fließen doch auch deutsche und spanische Textpassagen mit ein.

Der folgende Künstler war Doruk Görkem Tokur, ein am 18. Januar 1991 in Ankara geborener Pianist, der von namhaften Künstlern wie İdil Biret, Pamela Mia Paul, Stephen Gutman, Daniel Gortler, Kemal Gekic, Misha Dacic, Alexander Madzar, Tamara Poddubnaya, Mikola Suk, Markus Tomas, Bernd Goetzke, Emre Elivar und Gülsin Onay unterrichtet und inspiriert wurde. Durch seinen Vater, der Mitglied in einem Chor für klassische Musik ist, kam Doruk ebenfalls zur Musik. Bereits im Alter von fünf Jahren erhielt Doruk Unterricht am Klavier, natürlich als Amateur. Auch war er Mitglied in einem Kinderchor. Im Jahr 2002 konnte er seine Ausbildung an einer Musikschule in Ankara vertiefen. Seit 2012 setzt er seine musikalische Ausbildung an der Scuola di Musica di Fiesole’de in Floransa, Italien gemeinsam mit Andrea Lucchesini fort. Eine Vielzahl von Preisen krönen den Weg dieses Pianokünstlers, so vom Internationalen Klavier Wettbewerb in Istanbul aus dem Jahr 2011, den er als Bester abschloss, vom Int. AA Saygun Piano Festivalin Bodrum aus dem Jahr 2012, wo er zweiter wurde.

Neben den Ansagen war natürlich auch der Klaviervirtuose Murat Ömür Tuncer auf der Bühne gefragt. Er hatte seine Ausbildung an der staatlichen Musikhochschule in Mersin begonnen und dann an der Akdeniz Universität in Antalya fortgesetzt. Zwischendurch erhielt er zusätzlichen Unterricht von Vladimir Spivakov, Giselle Brodsky, Jean-Bernard Pommier, Gülsin Onay, Orhan Şallıel, Birsen Ulucan und Meral Güneyman. Murat Ömür Tuncer hat auch die Rhapsody “Nereden Gelip Nereye Gidiyoruz” (Woher wir kommen und wohin wir gehen) geschrieben, die als Weltpremiere vom Royal Conservatory Orchestra in Toronto mit der Stimme der Mezzo-Sopranistin Beste Kalender aufgeführt wurde. Murat war hier auch Dirigent des Orchesters.

Das außergewöhnliche dieser Veranstaltung, neben der Musik, die den normalen Rahmen eines open-air events schon sprengte, waren vor allem die Einbindung der Besucher in vielerlei Aktivitäten. Erwähnen möchten wir an dieser Stelle nur das gemeinsame Essen zum Ende des Konzertabends, zu dem viele Besucher ihren Beitrag leisteten, in dem sie selbst gefertigte Backwaren, Salate und sonstige Leckereien mitbrachten. In dieser Form bislang nicht erlebt, entstand ein wirklich buntes Gemisch von Künstlern und Besuchern beim gemeinsamen Essen. Ein letztendlich gelungenes Fest über zwei Tage, so das auch der ursprünglich geplante Hintergrund von Phaselis nicht mehr wirklich vermisst wurde.

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