Flussmuscheln – wichtiger Filter unserer Flüsse und Seen
Einst fast überall in den Flüssen zu Hause, wurden Muscheln oft sehr alt, die Große Flussmuschel zum Beispiel konnte gut 50 Jahre alt werden, die Flussperlmuschel sogar bis zu 120 Jahre, wenn denn die Lebens- und Umweltbedingungen stimmen.
Heute setzt den Muscheln nicht nur die Überfischung zu, sondern vor allem auch die Überdüngung aus der Landwirtschaft, die Stickstoffe aus Autoabgasen und die dadurch ins Wasser kommenden Stickstoffverbindungen.
Michael Pfeiffer, Gewässerbiologe aus Freiburg
Dabei sind Muscheln extrem wichtig für Gewässer, denn sie funktionieren wie lebendige Filteranlagen. Durch das Filtern nehmen sie ihre Nahrung und Sauerstoff auf - und säubern ganz nebenbei das Wasser. Eine Bachmuschel filtriert pro Stunde bis zu fünf Liter Fließgewässer, sagt Michael Pfeiffer, Gewässerbiologe aus Freiburg. Muscheln ernähren sich von Schwebstoffen und Plankton, die sie aus dem Wasser filtern. Dazu pumpen sie Wasser durch ihren Körper und fangen die Futterteilchen in ihren Kiemen auf. So sorgen sie in ihren Wohngewässern für klareres Wasser. Eine Miesmuschel filtert beispielsweise rund fünf Liter Wasser pro Stunde, eine Auster sogar bis zu 25 Liter. Muscheln gelten also zurecht als maritime „Cleaner“ des Meerwassers, aber auch in Flüssen und Seen. Muscheln sind somit von herausragender Bedeutung für die Ökosysteme „Flüsse, Seen und Ozeane“ und deshalb streng geschützt.
Bestände der Muscheln stark rückläufig
Doch wie viele Lebewesen in den großen Ozeanen, die sich mit einer Kalkschale vor Feinden schützen, sind die Muscheln unter anderem durch die zunehmende Versauerung des Meerwassers stark gefährdet. Ursache hierfür ist vor allem die Aufnahme von zusätzlichem Kohlendioxid aus der Atmosphäre, das im Meerwasser gelöst wird und den Schutzpanzer aus Kalk aufzulösen beginnt.
Bis vor wenigen Jahrzehnten galt die Gemeine Fluss- oder Bachmuschel als häufigste heimische Fließgewässermuschel. Das hat sich dramatisch geändert. In ganz Mitteleuropa sind die Bestände auf kaum mehr ein Zehntel früherer Zeiten zusammengebrochen, in vielen Regionen ist die Flussmuschel bereits ausgestorben. Bundesweit wird sie in der Roten Liste in die Kategorie 1 als "vom Aussterben bedroht" geführt.
Ihre Lebensraumansprüche - möglichst Gewässergüteklasse I oder II - und eine komplizierte Fortpflanzungsweise machen die Flussmuschel besonders empfindlich gegenüber Umweltveränderungen. Dazu zählen auch die schwankenden Wasserpegel in den Flüssen, obwohl Muscheln bis zu 5 Stunden ohne Wasser auskommen, indem sie ihre Schale fest schließen und sich so vor dem Austrocknen schützen.
Flussmuschelbestände in Deutschland
In Deutschland befinden sich die wenigen noch erwähnenswerten Flussmuschelbestände in kleinen, sauberen Flüssen und Bächen in Mecklenburg-Vorpommern, vor allem an Nebel, Warnow, Löcknitz und Meynbach. In der Mitte Deutschlands ist bis auf den Spreewald und Abschnitte der Eder in Nordhessen kaum noch ein Bestand an Flussmuscheln zu finden, in Nordrhein-Westfalen zum Beispiel gibt es nur noch ein einziges Vorkommen. Etwas zahlreicher wiederum - wenn auch oft mit wenigen Tieren - sind die Standorte in Süddeutschland, zum Beispiel in Bayern an der Naab, der Ilz und der Ammer.
Jungmuscheln ersticken, Bestände vergreisen
Wesentlich problematischer für die Flussmuschel sind menschliche Eingriffe in die Fließgewässer sowie Überdüngung und vermehrter Schwebstoffeintrag. Dies alles führt zur Verstopfung der Sand- und Kieszwischenräume in der Gewässersohle und Sauerstoffmangel, so dass die Jungmuscheln dort absterben. Fast alle noch bestehenden Flussmuschelvorkommen sind deswegen hoffnungslos überaltert, Jungmuschelnerreichen kaum noch das „Erwachsenenalter“. Hinzu kommt, dass durch Besatzmaßnahmen in den Gewässern ortsfremde und oft für die ursprünglichen Muschelpopulationen ungeeignete Wirtsfische eingesetzt werden. Mancherorts werden nun bereits mit Jungmuscheln "geimpfte" Wirtsfische ausgesetzt, um so versuchen,die Populationen zu verjüngen.
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