Caravan Salon – Leichtbauweise und Elektrofahrzeuge?

Caravan-Salon – Kommen Leichtbauweise und Elektrofahrzeuge?

Caravan Salon Düsseldorf - und die Suche nach alternativen Antrieben für Wohnmobile, Kastenwägen und wirklicher Leichtbauweise – nicht ganz so einfach wie gedacht.

Wir hatten uns während des diesjährigen Messebesuchs des Caravan Salon vorgenommen, einmal verstärkt auf die Suche nach Wohnmobilen und Kastenwägen mit Batterieantrieb und / oder Leichtbauweise zu gehen, auch um zu erkennen, ob die deutsche Campingfahrzeug Industrie ähnlich der Autoindustrie auch den Zug der Zeit verpassen wird.

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_batteriechasis-06.jpgDer internationale Markt wird mittlerweile ja überschwemmt mit den verschiedensten Marken qualitativ hochwertiger, chinesischer Fahrzeuge, ja sogar VW (aufgrund von Qualität und Preis früher "Volkswagen" genannt) ist wohl nur in China bereit, ein mittelklassiges Elektrofahrzeug (Volkswagen) für einen Preis anzubieten, der für uns Europäer leider ein Traum bleiben wird. Bedeutet dieser Trend gleichzeitig das endgültige Aus der europäischen Automobilindustrie? Sowie in China eine Art Sättigung des Marktes mit Elektroautos festgestellt wird, erfolgt sicherlich der direkte Weg hin zu den Campern auf modularer Basis. Warum wartet man in der Industrie darauf oder gibt es zumindest erste Schritte?

Was in der asiatischen Automobilindustrie längst gang und gebe ist, kann auch für Camper zielführend sein. Noch ist Zeit. Gemeint ist an dieser Stelle neben der Verwendung von Leichtbaumaterialien und die so genannte Skateboard-Bauweise des Fahrzeugchassis (EV-Bauweise), die bei den batterieelektrischen Autos längst zum Standard gehört.

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_batteriechasis-07.jpgDieses Chassis besteht aus einer Grundstruktur oder Plattform, in der die für ein Elektrofahrzeug wesentlichen Komponenten – wie Batterien, Elektromotoren und weitere Elektronik – untergebracht sind. Ein Skateboard-Chassis senkt die Kosten und verringert die Komplexität bei der Entwicklung und Fertigung von Elektrofahrzeugen ganz erheblich. Da schon die Anzahl der Teile zur Herstellung kraftstoffbetriebener Fahrzeugmotoren wesentlich höher ist als vergleichsweise bei den Elektrofahrzeugen, müsste sich die Verwendung von Skateboard-Plattformen erheblich in der Preisgestaltung niederschlagen. Eigentlich!

Die Skateboard-Plattform (EV-Bauweise) ist also eine geschlossene Plattform, in die alle erforderlichen Antriebs- und Elektronikkomponenten bereits integriert sind, lässt sich skalieren und mit unterschiedlichsten Karosserien kombinieren. Dies ermöglicht es Fahrzeugherstellern, Fahrzeuge verschiedener Kategorien und Karosseriesegmente zu entwerfen und zu produzieren, ohne jedes Modell eigenständig neu entwickeln zu müssen.

Hauptkomponenten der Skateboard-Plattform

Ein modernes Elektrofahrgestell besteht aus mehreren fest integrierten Teilen:   
   Batteriepaket: Liegt meist flach im Unterboden.
• Elektromotoren: Sorgen für den direkten Antrieb.
• Leistungselektronik: Regelt den Strom und das Laden.
• Fahrwerk: Beinhaltet Radaufhängung, Lenkung und Bremsen.

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_batteriechasis-01.jpgWenn also eine solche Plattform in Serie gefertigt würde, könnte man sich in der weiteren Entwicklung verstärkt um den Bereich der Nullemission kümmern. Fast jeder Hersteller spricht über Nullemission, doch ist sie das wirklich?

Denn Nullemission beschreibt ein Gebäude, ein Fahrzeug, einen Produktionsprozess, eine Dienstleistung oder eine sonstige Infrastruktur oder Tätigkeit, bei deren Bau, Ausführung, Benutzung oder Entsorgung keine umweltschädlichen Emissionen entstehen. Der Begriff ist nicht rechtlich geschützt und kann sich entsprechend auf unterschiedliche Schadstoffe sowie Teile des Produktions- oder Nutzungsprozesses beziehen. Beispiele für Nullemission sind emissionsfreie Fahrzeuge oder Plusenergiehäuser, ist aber die Herstellung und späteres Recycling integriert?

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_batteriechasis-04.jpgBei umfassender Betrachtung müsste der Begriff der Nullemission den gesamten Lebenszyklus und damit eine vollständige Ökobilanz aller relevanten Umweltschadstoffe umfassen. Häufig werden aber nur einzelne Bestandteile erfasst. So kann sich Nullemission mit Bezug auf die globale Erwärmung nur auf die ausgestoßenen Treibhausgase wie Kohlendioxid oder Methan beziehen, während bei der Bezeichnung eines Fahrrads als Nullemissionsfahrzeug die Produktion und Entsorgung ausgeklammert werden. Gleiches gilt beispielsweise für Windenergieanlagen oder Photovoltaik, deren Betrieb emissionsfrei ist, bei deren Herstellung und Wiederverwertung aber durchaus Emissionen verschiedener Art anfallen.

Der Klimawissenschaftler Kevin Anderson kritisiert die Verwendung des Begriffs „net zero“ entsprechend scharf:

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_batteriechasis-02.jpg„Jeder verwendet mittlerweile diesen Ausdruck „net zero“. Man kann eine Net-Zero-Ölgesellschaft sein. Man kann Net-Zero-Saudi-Arabien oder -Katar oder -Norwegen oder -Großbritannien oder -USA sein. Jeder kann net zero werden, jeder Landkreis, jedes Unternehmen. Er ist sinnentleert. Er ist völlig bedeutungslos. Wenn man analysiert, was sich hinter net zero befindet, sage ich dann oft nur, dass es Latein ist für das Wegtreten einer Dose entlang der Straße. Es gibt die Last an die nächste Generation weiter.“

– Kevin Anderson, 2021

Der Weg ist noch weit – gibt es zumindest Ansätze auf dem Caravan-Salon

Nach so viel Vorab-Theorie konnten wir dann auch in Düsseldorf fündig werden. Unter dem Motto „Eine Plattform – viele Möglichkeiten“ fanden wir das modulare EV-Chasis für Aufbauhersteller in der Halle 13. Mit einem solchen Hersteller könnten sich dann die Aufbauhersteller auf das konzentrieren, was sie am besten können:

Ihre Fahrzeugaufbauten gestalten, Ihre Kunden zufriedenstellen und Ihr Know-How anwenden!

b_450_450_16777215_00_images_camper-und-touren_batteriechasis-03.jpgWenn dann auch noch konsequent auf Leichtbaumaterialien gesetzt wird, ist zumindest der Einstieg in net zero teilweise geschafft. Unter dem Motto „Raumwunder, Leichtbau, Zero Emission“ ist in Düsseldorf ein solches Fahrzeug zu sehen, noch als Prototyp aber doch schon mit zahlreichen neuen Ideen bestückt, die man sich in der Serie durchaus wünschen würde.

Die Hersteller haben sich u.a. gefragt, was eigentlich passiert, wenn ein elektrisches Reisemobil nicht auf den Grenzen eines konventionellen Nutzfahrzeug-Chasis aufbaut?

Die auf der Messe Caravan Salon gezeigte Ausführung eines für Elektromobilität und Leichtbau entwickelte Niederflur-Architektur schafft mehr Raum, reduziert Gewicht und eröffnet neue Freiheiten für Packaging und Innenraumgestaltung.

Freuen Sie sich auf den folgenden Artikel zum Thema Batteriebetriebener Camper in Leichtbauweise. Folgt in Kürze!

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