Menu

alaturka

Der Raddampfer - Rapperswill auf dem Zürichsee

  • Geschrieben von Sam Rohlfs
Stadt Rapperswil auf dem Zürichsee

Weitere Vorbereitungen im Rahmen unseres Projekts Kulturelle Reise entlang Römischer Straßen, bringen uns erneut von Antalya startend nach Zürich und damit zu unseren Freunden Beat und Sebnem in Wädenswil.

Bereits früh am Morgen erreichen wir Zürichnach einem problemlosen Flug mit herrlichem Blick auf die noch schneebedeckten Alpen und den Bodensee.  Mit der schweizerischen Bahn ging es dann weiter nach Wädenswil, immer entlang des Zürichsees. Es sollte noch ein weiteres Highlight folgen, denn wir beschlossen aufgrund des herrlichen Sonnenscheins einen Spaziergang entlang des Zürichsees zu unternehmen.

Immer wieder waren wir fasziniert vom herrlichen Panoramablick über den Zürichsee bis zu den schneebedeckten Gipfel der Alpen, die den See einfassen wie der Rahmen das Bild. Trotz nun wirklich noch nicht sommerlich zu nennenden Temperaturen herrschte auf und um den Zürichsee schon reger Betrieb. Segelboote, die den relativ lauen Wind zu einer ersten Ausfahrt nutzten, Fußgänger und Radfahrer entlang des Ufers und die Ausflugsdampfer auf dem See. Daneben eine bunte Vielfalt von Wasservögeln, die auf ein paar Brocken altes Brot von Seiten der Spaziergänger hofften. Als sehr geschickt und motivierend empfanden wir die angebrachten Hinweisschilder auf die verschiedenen Arten der am See vorkommenden Wasservögel, die unmittelbar zum Nachschauen anregten, denn schließlich wollte man ja wissen, welche Art gerade das mitgebrachte Brot verschlang.

Schwan auf dem ZuerichseeSchon für während unseres letzten Besuchs hatten wir die Vorzüge des wirklichen durchdachten, öffentlichen Nahverkehrs Zürichs als Verbundsystem kennengelernt. So lassen sich Busse, Bahnen und Tram nach Belieben miteinander kombinieren. Von unseren Freunden erfuhren wir nun, das auch der Fährbetrieb auf dem Zürichsee mit in das Verbundsystem integriert ist. Das Lösen eines 24 Stunden Tickets erlaubt also die Nutzung aller 4 Verkehrsmittel innerhalb eine Bezirks, so das man eine kombinierte Stadt- und Seerundfahrt mit einem gelösten Ticket absolvieren kann.

Wir waren mittlerweile an einem der Schiffanleger angekommen, wo sich schon eine Gruppe von Passagieren eingefunden hatte, die auf die Ankunft des Fährschiffs warteten. So gesellten wir uns für einige Fotos auch dazu, als wir bemerkten, das es sich bei dem sich näherndem Schiff um eines der beiden Raddampfer handelt, die es auf dem Zürichsee noch gibt. So kam es zur ersten Begegnung mit dem alten Raddampfer „Stadt Rapperswil“ der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft, die zwischen April und November von Anleger zu Anleger fahrend für den Verkehrsverbund tätig ist.

Es ist ein faszinierender Anblick, wenn der Dampfer in schneller Fahrt auf den Anleger zukommt, der Kapitän auf der Brücke seine Anordnungen erteilt, dann kurzzeitig die mächtigen Schaufelräder zum Stillstand kommen um sofort in Gegenrichtung erneut  in Drehbewegung gebracht zu werden damit die Fahrt aus dem Schiff genommen wird. Sehr professionell verlief das Anlegemanöver durch geschicktes Nutzen der mächtigen Schaufeln des Schiffes. Allein die Form des Bugs und des Antriebs lässt das Alter des Dampfschiffs „Stadt Rapperswil“ erahnen, wohl mehr als 100 Jahre alte Technik, die noch immer begeistert.

Auf unsere Fragen hin erfahren wir, das die „Stadt Rapperswil“ im Jahr 1913 /14 von der Firma Escher, Wyss & Cie in Zürich gebaut wurde. Bereits am 29. Mai 1914  konnte der Stapellauf vollzogen und Pfingsten wurde das Dampfschiff in Betrieb genommen. Aufgrund des Ausbruchs des ersten Weltkriegs musste bereits wenige Monate später der Schiffsbetrieb fast gänzlich eingestellt werden, da man aufgrund des nachlassenden Kohleimports kaum über genügend Brennstoff verfügte. Hier war sogar der Schweizerische Bundesrat aktiv geworden, der die Einstellung aller Dampfbetriebenen Schiffe anordnete. Nach dem Krieg wurde der Schiffsverkehr aber zügig wieder aufgenommen.

Stadt Rapperswil Schaufelrad auf dem ZuerichseeWährend des zweiten Weltkriegs wurde der Raddampfer „Stadt Rapperswil“ vom Militär konfisziert womit der Passagierverkehr komplett zum Erliegen kam. Während dieser Jahre wurde der Kessel der „Stadt Rapperswil“ ununterbrochen beheizt um eine dauernde Betriebsbereitschaft zu erhalten. Im Jahr 1951 wurden die alten Holzfeuerungen der Kesselanlage durch Schwerölfeuerungen ersetzt. In den folgenden Jahren kamen neue Schiffe zur Flotte auf dem Zürichsee hinzu und der Einsatz der Schaufelraddampfer wurde meist auf Sonntage beschränkt.

Als im Herbst des Jahres 1969 Planungsideen der Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft an die Öffentlichkeit drangen, den Betrieb der Schaufelraddampfer einzustellen, formierte sich eine Protestbewegung zum Erhalt der Schiffe als technisches Kulturgut. Nach langen Diskussionen, die auch aufgrund der hohen Betriebs- und Unterhaltungskosten verständlich waren, einigte man sich im Ergebnis doch auf den Erhalt der Schiffe. Die Aktionen des Vereins „Pro Raddampfer“ beim Bundesamt für Verkehr, bei der Betreiberin ZSG und in der Öffentlichkeit hatten dafür gesorgt, das folgende Statuten eingeführt wurden:
- „die Erhaltung der beiden Dampfschiffe in gutem Zustand“ und - „deren häufigen Einsatz“

Durch weitere Aktivitäten in der Öffentlichkeit, die auch zu Spendenaufrufen führte, wurde in den Jahren 1977 und 1983  der Verwaltungsrat der ZVG überzeugt, das die Schaufelraddampfer des Zürichsees langfristig zu erhalten sind. Stolz konnte dann 1985 ein großes Fest auf „150 Jahre Dampfschifffahrt auf dem Zürichsee“ zurückgeblickt werden. Mittlerweile sind weitere technische Verbesserungen der beiden Dampfschiffe „Stadt Zürich“ und „Stadt Rapperswil“ umgesetzt worden, so das man erfolgversprechend in die Zukunft blickt. Es wäre auch wirklich schade, wenn es mit der Schaufelradtechnik zu Ende gehen wurde.

Bitte lesen Sie auch:

Spaziergang am Limmat durch die Innenstadt von Zürich

Deutschland

Kultur

Leben | Outdoor

Aktuell sind 531 Gäste und keine Mitglieder online