Wanderung von der Kreisgrabenanlage Goseck zum Rittergut
Mehrfach schon haben wir das Sonnenobservatorium in Goseck besucht, einmal mehr sollte es jetzt eine Führung in der Kreisgrabenanlage geben, die uns doch stark interessiert hätte.
Vor Ort mussten wir dann leider, wie einige weitere Besucher auch, feststellen, dass eine telefonische Anmeldung Voraussetzung gewesen wäre. Nun gut, einmal vor Ort, beschlossen wir bis zum Rittergut der Herrschaft Goseck hoch über der Saale zu wandern. Vom Sonnenobservatorium führt der Weg Richtung Wald, der Durchquert werden muss bis man an den schmalen Pfad entlang des Saale-Tales gelangt, eigentlich aufgrund der Beschilderung leicht zu finden.
Bau von Kreisgrabenanlagen – eine europäische Idee
In der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr. errichteten Menschen von Ungarn bis nach Bayern und von Niederösterreich bis nach Brandenburg große kreisförmige Gräben, die im Inneren von mächtigen Palisaden begleitet wurden.
Die im Detail unterschiedlichen Anlagen haben zahlreiche Merkmale gemeinsam. Dazu gehören ein mehr oder weniger kreisförmiger Grabenverlauf mit v-förmigen Querschnitt Palisadenringe im Inneren, ein besiedlungsfreies, leeres Zentrum sowie zwei bis vier torartige Unterbrechungen in den Gräben und Palisaden. Mit einfachen Werkzeugen fertigten die Menschen zwischen 60 und 150 Metern große Kreisgräben, die bis zu 10 Meter breit und fünf Meter tief waren.
Außerdem verbauten sie mehrere Tausend Pfosten. Die immense Arbeit war eine Gemeinschaftsleistung von Menschen aus mehreren Siedlungen.
Die Kreisgrabenanlagen als zentrale Orte trennten einen sakralen Raum von einem größeren Siedlungsplatz. Sie dienten den Menschen als Kult- und Versammlungsraum, waren vielleicht auch Plätze für Initiations- und Totenriten oder Orte der Rechtsprechung.
Unklar war bisher neben der schnellen Ausbreitung der Kreisgraben-Idee auch die Aufgabe der Anlagen nach spätestens fünf oder sechs Generationen.
Goseck – das älteste Sonnenobservatorium Europas
Erste Spuren menschlicher Besiedlung in der Saale – Unstrut Region reichen in die Jungsteinzeit um 5000 v. Chr. zurück.
Zeugnis davon legt die durch Luftbilder in den 1990er Jahren entdeckte und seit 2003 freigelegte Kreisgrabenanlage von Goseck ab, das älteste Sonnenobservatorium Europas.
Es handelt sich dabei um eine Kreisgrabenanlage mit einem Durchmesser von 75 Metern aus der Zeit des Mittelneolithikums.
Sie belegt den Beginn einer jahrtausendealten Tradition früher Himmelskunde, wie sie auch auf der Himmelsscheibe von Nebra, die 1999 nur 25 km entfernt gefunden wurde, dargestellt ist.
Mittels Visiereinrichtungen konnten die Menschen z. B. exakt die Daten der Sommer- bzw. Wintersonnenwende bestimmen.
Die Rekonstruktion des Observatoriums wurde zur Wintersonnenwende am 21. Dezember 2005 mit einem Licht- und Feuerspektakel eröffnet.
Wir verlassen das Sonnenobservatorium in Richtung Wald, folgen dann der Betonpiste nach rechts bevor es nach links durch den Wald in Richtung Saaletal geht. Da es eine recht gute Beschilderung gibt, ist der Weg kaum zu verfehlen.
Es bieten sich von dieser Stelle ausgehend allerdings auch weitere Wanderziele an, so bis nach Naumburg oder bis nach Freiburg.
Wenig später öffnet sich das Tal der Saale, dem wir nach links dem schmalen Pfad folgend Richtung Rittergut folgen. Zwischen zahlreich blühenden Fliederbüschen fast versteckt, stoßen wir auf einen Höhlengang im Uferfels, der unser Interesse weckt.
Trotz fehlender Leuchtmittel folgen wir dem Gang bis unsere Handylampen nicht mehr ausreichend ausleuchten können. Beim nächsten Besuch werden wir besser ausgestattet sein, als jetzt zurück zum Wanderweg.
Früheres Kloster wandelt sich zum Rittergut Goseck
Das einstmals vorhandene Kloster Goseck wurde infolge der Reformation 1540 säkularisiert und in ein Rittergut und Sitz der Herrschaft Goseck umgewandelt.
Das Hauptgebäude wurde ab dem Zeitpunkt Schloss Goseck genannt. Der Ort Goseck entstand im Zusammenhang mit der Gründung der Burg Goseck.
Er gehörte bis 1815 zum Amt Freyburg des Thüringer Kreises im Kurfürstentum Sachsen.
Zur Gutsherrschaft Goseck gehörten die Dörfer Goseck, Dobichau, Kleingräfendorf, Pettstädt, Teile der Dörfer Markröhlitz und Eulau; eingepfarrt war Lobitzsch.
Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses kam der Ort 1815 zu Preußen und wurde 1816 dem Kreis Querfurt im Regierungsbezirk Merseburg der Provinz Sachsen zugeteilt.
Heute gibt es vor Ort ein kleines Museum zur Kreisgrabenanlage bzw. zum Sonnenobservatorium, auch ein kleines Restaurant im Burghof hat geöffnet und wird stark frequentiert.
Erstmals sehen wir, dass auch die Kirche für Besucher zugänglich ist, so dass wir bis hinab in die Sakristei steigen können.
Ein sich ebenfalls sehr lohnender Abstieg, wenn man sich für die Kirchengeschichte bis zur Reformation interessiert (siehe Fotogallerie unten). Wir können den Besuch nur weiter empfehlen.
Zurück zum Sonnenobservatorium und damit zum Parkplatz unseres Fahrzeugs geht es diesmal durch den Ort Goseck.
Erneut eine interessante Wanderung in der Region.
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